Mikrofone & Co.

Die nachfolgenden Aufnahmen erfolgten direkt über das RME Fireface UC. Das Material ist bis auf die Ent­fernung von Atem-, Schmatz- und Schleckgeräuschen oder Ähnlichem unbearbeitet. Soweit Mikrofone direkt gegenübergestellt werden, bedeutet das, dass in beide Mikrofone gleichzeitig gesprochen wurde.

Mein Setup, das ich normalerweise (und auch fürs Streaming) verwende, findest Du hier.

Dieser Artikel enthält keine Werbelinks und keine bezahlte Werbung. Die getestete Hardware habe ich entweder selbst gekauft oder sie wurde mir von Herstellern oder von Usern zur Verfügung gestellt.

I. Mikrofone

1) Gegenüberstellungen

a) Röhrenmikrofon vs Transistormikrofon

Gegenübergestellt wurden das Microtech Gefell UM 900 und das M 930 (Niere).

Das UM 900, ein Großmembran-Kondensatormikrofon mit Röhrenverstärker, das über fünf verschiedene Richtcharakteristiken verfügt (Kugel, Breitniere, Niere, Superniere, Acht), hat mir der Hersteller freundlich­erweise für diesen Test geliehen. Es wurde hier einem modernen Großmembran-Kondensatormikrofon mit Transistor­verstärker und ohne Ausgangsübertrager (Transformator) gegenübergestellt.

UM 900 Preis: 4.500 €1

Pegelbeeinflussung: 0  |  Tiefenabsenkung: —

UM 900

№ 1 ▪ Pate ▪ Niere ▪ Kurze Distanz ▪ 32 dB Gain


№ 2 ▪ Sherlock Holmes (Teil 1) ▪ Acht ▪ Mittlere Distanz (20-24 cm) ▪ 32 dB Gain

№ 3 ▪ Gedicht ▪ Niere ▪ Kurze Distanz mit kräftiger Stimme ▪ 32 dB Gain

M 930 Preis: 1.350 €2

M 930

№ 1 ▪ Pate ▪ Niere ▪ Kurze Distanz ▪ 32 dB Gain


№ 2 ▪ Sherlock Holmes (Teil 1) ▪ Niere ▪ Mittlere Distanz (20-24 cm) ▪ 32 dB Gain

№ 3 ▪ Gedicht ▪ Niere ▪ Kurze Distanz mit kräftiger Stimme ▪ 32 dB Gain

Eingesprochener Text

  1. Dein Geschäft geht gut, die Polizei ist da, um dich zu beschützen. Außerdem gibt es Gerichte. Wozu noch einen Freund wie mich? Aber jetzt kommst du zu mir und sagst: ›Don Corleone, verschaff mir Gerechtigkeit‹. Aber du zeigst mir keinen Respekt, bietest nicht etwa Freundschaft. Du sagst noch nicht einmal Pate zu mir. Nein, stattdessen kommst du am Hochzeitstag meiner Tochter in mein Haus und bittest mich, einen Mord zu begehen, für Geld. So etwas lasse ich mir nicht gefallen und deswegen werde ich dir jetzt nun in die Fresse schlagen, du hast ja wohl den Arsch offen!
  2. Auszug aus ›Der Farbenhändler im Ruhestand‹ von Arthur Conan Doyle (Quelle: eblox.bplaced.net)
  3. Steht auf und seid fleißig, nach dem Rechten seid eifrig und Redlichkeit sei euer Bestreben.

b) Niere vs Superniere

Gegenübergestellt wurden das Microtech Gefell M 930 (Niere) und das M 940 (Superniere).

M 930 / M 940

M 930 Preis: 1.350 €3

№ 1 ▪ Sherlock Holmes (Teil 2) ▪ Mittlere Distanz (20 cm) ▪ 32 dB Gain

№ 2 ▪ Gedicht ▪ Kurze Distanz mit eher kräftiger Stimme ▪ 32 dB Gain

M 940 Preis: 1.350 €4

№ 1 ▪ Sherlock Holmes (Teil 2) ▪ Mittlere Distanz (20 cm) ▪ 32 dB Gain

№ 2 ▪ Gedicht ▪ Kurze Distanz mit eher kräftiger Stimme ▪ 32 dB Gain

Eingesprochener Text

  1. Auszug aus ›Der Farbenhändler im Ruhestand‹ von Arthur Conan Doyle (Quelle: eblox.bplaced.net)
  2. Glaub nicht, das Leben sei einfach, das Versagen droht vielfach; so leuchtend die Zukunft auch strahlt. Doch bist du ehrbar und strebsam und aufrecht zum Nachbarn, gewährt das Leben dir sichere Fahrt. Steht auf und seid fleißig, nach dem Rechten seid eifrig und Redlichkeit sei euer Bestreben.

c) Günstig vs Teuer

Gegenübergestellt wurden das bekannte und vergleichsweise recht große RØDE NT1-A (Niere), das in Australien gefertigt wird und das kleine Microtech Gefell M 930 (Niere), das in Deutschland gefertigt wird.

Das NT1-A ist im Set für etwa 200 €5 zu haben, das M 930 mit Spinne hingegen für etwa 1.350 €6.

NT1-A / M 930

Verglichen mit dem NT1-A klingt das M 930 deutlich neutraler. Das liegt daran, dass das NT1-A im Gegensatz zum NT1 desselben Herstellers keinen linearen Frequenzgang hat, sondern gefärbt ist:

Frequenzgang des RØDE NT1-A (Datenblatt)
Frequenzgang RØDE NT1-A
Frequenzgang des RØDE NT1 (Datenblatt)
Frequenzgang RØDE NT1

Im Vergleich dazu der Frequenzgang des Microtech Gefell M 930 (Datenblatt)7:

Frequenzgang Microtech Gefell M 930

Unabhängig davon, ob man diese Färbung nun mag oder nicht: Sie hat dem weltweiten Erfolg dieses Klassikers sicherlich nicht geschadet, sondern hat bestimmt maßgeblich dazu beigetragen. Allerdings tendiert das Mikrofon dadurch zu einer gewissen Intransparenz und ich nehme an (auch wenn ich Laie auf diesem Gebiet bin), dass für die professionelle Nachbearbeitung stets ein neutra­leres Material bevorzugt wird, wie es z. B. ein NT1 oder ein M 930 liefert (wobei das NT1 im Set etwa 75 € mehr als das NT1-A kostet8). Weil das in einigen Fällen, wie beim Broadcasting, häufig aber gar nicht erforderlich ist, steht dem Kauf eines solchen Mikrofons natürlich nichts entgegen, solange einem der Klang gefällt.

NT1-A Preis: 200 €9

№ 1 ▪ Sherlock Holmes (Teil 3) ▪ Mittlere Distanz (20 cm) ▪ 32 dB Gain

№ 2 ▪ Miranda ▪ Kürzere Distanz (14 cm) ▪ Suboptimale Raumakustik ▪ 32 dB Gain

M 930 Preis: 1.350 €10

№ 1 ▪ Sherlock Holmes (Teil 3) ▪ Mittlere Distanz (20 cm) ▪ 32 dB Gain

№ 2 ▪ Miranda ▪ Kürzere Distanz (14 cm) ▪ Suboptimale Raumakustik ▪ 32 dB Gain

Eingesprochener Text

  1. Auszug aus ›Der Farbenhändler im Ruhestand‹ von Arthur Conan Doyle (Quelle: eblox.bplaced.net)
  2. Sie sind hiermit vorläufig festgenommen. Alles was Sie sagen, kann und wird vor Gericht gegen Sie verwendet werden. Sie haben das Recht zu schweigen – und das Recht auf einen eigenen Anwalt. Falls sich im Staate kein Anwalt befindet oder Sie sich keinen leisten können, wird Ihnen von staatlicher Seite aus auch keiner gestellt.

d) Dynamisch vs Kondensator

Gegenübergestellt wurden das Microtech Gefell MD 300 (Niere), ein dynamisches Mikrofon nach dem Tauchspulenprinzip und das M 930 (Niere), ein Großmembran-Kondensatormikrofon.

MD 300 / M 930

MD 300 Preis: 750 €11

№ 1 ▪ Sherlock Holmes (Teil 4) ▪ Eher kurze Distanz (16 cm) ▪ 55 dB Gain

№ 2 ▪ »Hier spricht das LSPD« ▪ Mittlere Distanz (20 cm) ▪ 51 dB Gain

(Mit softwareseitiger Pegelanhebung um 4 dB an leiseren Stellen.)

M 930 Preis: 1.350 €12

№ 1 ▪ Sherlock Holmes (Teil 4) ▪ Eher kurze Distanz (16 cm) ▪ 32 dB Gain

№ 2 ▪ »Hier spricht das LSPD« ▪ Mittlere Distanz (20 cm) ▪ 28 dB Gain

(Mit softwareseitiger Pegelanhebung um 4 dB an leiseren Stellen.)

Eingesprochener Text

  1. Auszug aus ›Der Farbenhändler im Ruhestand‹ von Arthur Conan Doyle (Quelle: eblox.bplaced.net)

e) Kleinmembran- vs Großmembrankapsel

Selbstverständlich kann man seine Stimme auch mit einem Kleinmembran-Kondensatormikrofon aufnehmen – das Ganze sieht dann einfach nur nicht so imposant aus. Hier wurden die russische Kleinmembran-Kapsel Oktava MK-012 (Niere) und das Microtech Gefell M 930 (Niere) gegenübergestellt.

Ich habe für diese Gegenüberstellung zwei Aufnahmen angefertigt: Bei der ersten Aufnahme wurde der Einsprechabstand zur Klein­membrankapsel im Vergleich zur Großmembrankapsel um etwa zwei Zentimeter reduziert (13 anstatt 15 cm), bei der zweiten Aufnahme sind die Abstände mit jeweils 15 cm gleich. Die Vorverstärkung lag beim Kleinmembran-Kondensatormikrofon stets bei 36 dB.

MK-012-Kapsel mit Vorverstärker / M 930

MK-012 Preis: 170 €13

№ 1 ▪ Sherlock Holmes (Teil 5) ▪ Kurze Distanz (13 cm) ▪ 36 dB Gain

(Die Distanz ist hier im Vergleich zum M 930 um 2 Zentimeter verkürzt)

№ 2 ▪ Sherlock Holmes (Teil 6) ▪ Kurze Distanz (15 cm) ▪ 36 dB Gain

M 930 Preis: 1.350 €14

№ 1 ▪ Sherlock Holmes (Teil 5) ▪ Kurze Distanz (15 cm) ▪ 32 dB Gain

№ 2 ▪ Sherlock Holmes (Teil 6) ▪ Kurze Distanz (15 cm) ▪ 32 dB Gain

Eingesprochener Text

  1. Auszug aus ›Der Farbenhändler im Ruhestand‹ von Arthur Conan Doyle (Quelle: eblox.bplaced.net). Jedoch mit kleinen Änderungen.

2) Richtcharakteristiken

Welche Richtcharakteristik man wählt, hängt natürlich vom konkreten Einsatzzweck ab. Für Sprach­aufnahmen wird man allerdings in aller Regel eine Nierencharakteristik wählen.

Die nachfolgenden Aufnahmen erfolgten mit dem UM 900 bei einem Einsprechabstand von etwa 18 cm.

Kugel

Breitniere

Niere

Superniere

Acht

3) Eigenrauschen

Das Eigenrauschen von Mikrofonen wird mit dem Ersatzgeräuschpegel angegeben. Werte bis 19 dB-A sind in der Regel unkritisch, weil nur leichtes Rauschen bei hoher Verstärkung hörbar ist15.

Ein niedrigerer Wert ist zwar besser, sagt bei hochwertigen Mikrofonen aber sonst nichts über die Qualität des Mikrofons aus, weil der Wert u. a. abhängt von der Art des internen Mikrofonverstärkers (Impedanz­wandler); so rauscht ein Röhrenmikrofon typischerweise mehr als ein modernes Transistormikrofon. Von größerer Relevanz stattdessen ist die Qualität des Mikrofonvorverstärkers, also des Mic-Preamps.

Hier in Gegenüberstellung ein modernes Röhrenmikrofon (das kein externes Netzteil erforderte) und ein modernes Transistormikrofon, jeweils an einem RME Fireface UC bei einem Gain von 40 dB:

UM 900 (16 dB-A)

NT1-A (5 dB-A)

II. Audio-Interfaces

Um die eigene Stimme irgendwie auf den Computer zu bekommen, müssen die elektrischen Signale des Mikrofons in eine digitale Form gebracht werden werden:

A/D-Wandler – Diese Aufgabe übernehmen Analog-Digital-Wandler, wobei USB-Mikrofone wie das bekannte RØDE Podcaster bereits interne Wandler besitzen. Im professionellen Einsatz ist es jedoch üblich, die Wandlung einem externen A/D-Wandler zu überlassen, d. h. das Mikrofon wird nicht per USB-Kabel direkt an den Computer, sondern per XLR-Kabel an ein Audio-Interface, das über einen solchen A/D-Wandler verfügt, angeschlossen. Dieses nimmt die Digitalisierung des Signals vor und überträgt die Informationen anschließend verfälschungsfrei per USB 2.0 (früher Firewire) an den Computer. Manche Geräte verfügen heutzutage bereits über einen USB-3.0- oder gar USB-C-Anschluss, was an der Qualität aber nichts ändert (denn digital bleibt digital), sondern eher mit der Kompatibilität zu tun hat bzw. damit, dass neuere Geräte wie das MOTU M2/M4 dadurch keine externe Stromversorgung mehr benötigen.

Preamps – Das vergleichsweise schwache Signal benötigt stets eine zusätzliche Vorverstärkung; und zwar im Optimalfall so, dass kein hörbares Rauschen hinzugefügt wird, weil ansonsten eine (eben hör­bare) Verschlechterung des Signals stattfindet. In der Regel übernehmen Audio-Interfaces auch diese Aufgabe, weil die meisten über einen eingebauten Mikrofonvorverstärker (Mic-Preamp) verfügen. Weil diese aber nur bis zu einem gewissen Grad leistungsfähig sind, wird in Fällen, wo Mikrofone zum Einsatz kommen, die eine hohe Verstärkung benötigen (wie das sagenumwobene Shure SM7B, das schon Michael Jackson benutzt haben soll16), ein externer Preamp eingesetzt. Weil das wiederum oft sehr kostspielig ist (ein leistungsfähiger und guter Preamp kann ordentlich ins Geld gehen), haben sich auf dem Markt Pre-Preamps17 wie der Cloudlifter oder der FetHead von TritonAudio etabliert.

Treibersoftware – Nicht nur auf die Hardware kommt es an: Ein wichtiger Punkt bei der Wahl eines Audio-Interfaces stellen Qualität und Unterstützung der Treibersoftware dar. Wenn der Hersteller nämlich einige Jahre nach Erscheinen des Geräts keine funktionstüchtigen und getesteten Treiber mehr für das einst teure Gerät zur Verfügung stellt, kann man dieses entsorgen. Ähnliches gilt, wenn die Treiber aus irgendeinem Grund instabil sind. Was diesen Punkt anbelangt, hält sich meine persönliche Begeisterung, soweit es die Hersteller Tascam und Focusrite betrifft, in Grenzen. Das ist nicht repräsentativ, allerdings bin ich aus diesem Grund im Jahre 2018 auf das doch eher teure Fireface UC von RME umgestiegen.

III. Fotogallerie

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